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- Der Mountainbike Blog -

Fahrtechnik, Mindset und mehr...

Bremsen ist eines der wichtigsten Elemente der Mountainbike Fahrtechnik

3 Glaubenssätze zum Thema „Bremsen“ in der Mountainbike Fahrtechnik

Bremsen mit dem MTB kann doch jeder? Oder doch nicht?

Als Vollzeit-Mountainbiketrainer erleben wir immer wieder, dass fortgeschrittene Mountainbiker (oder besser gesagt Biker, die sich selbst so nennen) sich selbst im Weg stehen. Sie stehen sich dabei im Weg, RICHTIG GUT zu werden. Weil sie ihrem Ego erlauben, ihnen vorzugaukeln, dass sie bestimmte „einfache“ Techniken nicht verbessern oder üben brauchen.

Zu dieser scheinbar „einfachen Technik“ gehört ganz klar BREMSEN. Effektives und kontrolliertes Bremsen, das die meisten Mountainbiker als „zu einfach, das brauch ich nicht lernen/üben“ abtun – beeinflusst jedoch immens viel!

Denn nur wer richtig gut bremsen kann, kann auch richtig gut schnell fahren! Und nur wer richtig gut bremsen kann, kann richtig kontrolliert steil fahren!

In diesem Artikel erfährst Du, ob Du Dich eventuell auch von Deinem Ego hast austricksen lassen und wie Du Deine Bremstechnik verbessern kannst!

Effektiv und sicher Bremsen mit Deinem MTB

Diese 3 Dinge über MTB-Bremstechnik hören wir als MTB-Trainer immer wieder:

  1. Nutze die Hinterradbremse mehr als die Vorderradbremse, Du gehst sonst über den Lenker!

  2. Verlagere Dein Gewicht nach hinten, wenn Du bremst.

  3. Bremse nicht in Kurven!

In diesem Blogartikel möchten wir uns mit diesen 3 Themen beschäftigen und sie unter die Lupe nehmen – und schauen, wie viel Wahrheit dahinter steckt…

Glaubenssatz 1: „Nutze die Hinterradbremse mehr als die Vorderradbremse, Du gehst sonst über den Lenker!“

Diese Binsenweisheit limitiert leider SEHR viele Biker – denn nur wenn Du das Wissen und Können hast, um Deine Vorderradbremse stärker als Deine Hinterradbremse zu nutzen (ja, wirklich!), wirst Du kontrolliert schnell fahren und sehr steile Trails als Pilot (und nicht als Passagier) meistern können!

Denn Deine Vorderradbremse hat einfach viel mehr Bremswirkung als Deine Hinterradbremse. Das ist, weil Du (also die schwere Masse = Dein Körper) beim Bremsen gegen Dein Vorderrad „gedrückt“ wirst – dadurch viel mehr Traktion am Vorderrad „generierst“ und das Vorderrad dadurch später blockiert, als das Hinterrad. Ergo: kann es viel mehr Bremskraft aufnehmen und Dich daher effektiver abbremsen.

Wichtig ist jedoch zu wissen, dass Du Deine Bremsen generell DOSIERT betätigen willst – nicht nur um Bauchplatscher zu vermeiden – sondern auch, um blockierende und dadurch rutschende Reifen zu verhindern. In anderen Worten: Du möchtest die Bremskraft dosieren – also Deine Kraft im Finger gefühlvoll einsetzen, um immer kurz VOR der Blockiergrenze zu bleiben.

In diesem Video (auf Englisch) stellen wir ein paar Bremsübungen vor und erklären noch etwas detaillierter, was beim Bremsen wichtig ist. Und wir geben Dir ein paar Bremsübungen an die Hand, die wir Dir empfehlen (auch als fortgeschrittener Biker) regelmäßig in Deine MTB-Touren zu integrieren.

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Viele fortgeschrittene Biker WISSEN dies zwar, aber MACHEN es nicht. Denn Wissen ist nicht machen!

Viele Biker nutzen also ihre Vorderradbremse zu wenig, zu ruckartig oder zu unregelmäßig – oder zu zaghaft – und verschwenden daher Bremsweg oder limitieren sich immer in ihrer maximalen Geschwindigkeit oder Steilheit! Warum? Weil das Unterbewusstsein Gefahr wittert, wenn die gefahrene Geschwindigkeit und der geschätzte Bremsweg nicht mit der wahrgenommenen Distanz zusammenpassen.

Auch wenn Du also ein fortgeschrittener Biker bist, sind Bremsübungen und Fahrtechniktrainings, bei denen Du neuen Input bekommst, immer hilfreich!

Glaubenssatz 2: Verlagere Dein Gewicht nach hinten, wenn Du bremst!

Es ist verständlich, woher dieser Glaubenssatz kommt. Wir hören (leider) auch oft: „Drücke Dich vom Lenker weg, wenn Du bremst, damit Du nicht über den Lenker gehst.“ Natürlich ist es tatsächlich so, dass Du beim Bremsen zuerst nur Dein MOUNTAINBIKE verlangsamst – Dein Körper aber noch in derselben Geschwindigkeit unterwegs ist und daher nach vorne gedrängt wird. Du musst also tatsächlich ETWAS TUN, um nicht nach vorne gedrängt zu werden und im schlimmsten Fall über den Lenker zu gehen.

Aber was heißt „etwas tun“?

Um kontrolliert zu bremsen, empfehlen wir:

  1. Betätige beide Bremsen gleichzeitig und DOSIERT. So, dass keiner Deiner beiden Reifen blockiert. Siehe dazu auch das YouTube Tutorial oben.

  2. In dem Moment, in dem Du bremst, beuge Arme und Beine, damit Du Deinen Körperschwerpunkt ABSENKST. Spanne Deinen Rumpf an und senke aktiv beide Fersen ab. So kannst Du Dein Körpergewicht über die BEINE abfangen.

  3. Wenn Du wirklich eine absolute Stillstandbremsung ausführst und aus hoher Geschwindigkeit sehr stark bremst, wirst Du durch dieses aktive Absenken beider Fersen und „Gegenstemmen“ gegen die Pedale Deine Hüfte quasi intuitiv stärker nach hinten verlagern.

Glaubenssatz 3: Bremse nicht in Kurven!

Jaaaaa, das stimmt tatsächlich größtenteils, aber auch hier gehört etwas mehr Hintergrundwissen dazu. Denn was sollst Du zum Beispiel tun, wenn Du Dich einfach NICHT TRAUST, die Bremsen komplett zu lösen? (Übrigens – wenn Du selbstbewusster am Trail werden willst – ein Sport-Mentalcoaching kann Wunder wirken).

Oder – was ist, wenn Du die Bremse nicht lösen kannst, weil es zu steil ist, Du dann zu schnell wirst und kurz nach der Kurve ein Hindernis oder eine enge Kehre kommt…?

Und – WARUM sollst Du eigentlich nicht in der Kurve bremsen?

Kurven und Bremsen MTB Fahrtechnik
Hier sind die Antworten!

In der Kurve bremsen hat tatsächlich mehrere Nachteile:

Der erste Nachteil ist, dass Deine Reifen, sobald Du sie bremst, weniger Seitenführungskräfte aufnehmen können, also weniger Traktion bieten (die genaue Physik hierzu erklären und zeigen wir Dir gerne in einem Privatcoaching oder bei einem unserer MTB-Events) – Du die Traktion also in einer Kurve, in der Grip wahrscheinlich Dein Ziel ist, nicht noch zusätzlich herausfordern solltest.

Zweitens; neigt ein eingelenktes, gebremstes Vorderrad dazu, „wegzuklappen“ – das hast Du bestimmt schon einmal erlebt oder gesehen, dass Du (oder jemand) eine enge Spitzkehre fahren willst/will und das Vorderrad zu eng einlenkt und der Lenker quasi wegklappt.

Und drittens richtet sich ein Rad immer auf, sobald es gebremst wird – und in einer schnelleren Kurve sollte Dein Bike eine gewisse Schräglage haben, die Du durch das Bremsen jedoch aufhebst.

Was also tun, wenn Du Dich aber nicht traust, in der Kurve die Bremsen komplett zu lösen?

  1. Bremse vor der Kurve STARK ab und fahre so langsam wie möglich (und nötig) in die Kurve.

  2. Lasse dann IN DER KURVE nur die Hinterradbremse dosiert SCHLEIFEN. Vermeide hierbei immer ein blockierendes Hinterrad, da dies unkontrolliert ist und dem Trail schadet.

Und was, wenn es zu steil/lose ist, Du in der Kurve nicht beschleunigen willst und Du nur mit der Hinterradbremse nicht genug Tempoverringerung generierst?

  1. Bremse vor der Kurve STARK ab und fahre so langsam wie möglich (und nötig) in die Kurve.

  2. Wenn es sehr steil ist, ist die Kurve wahrscheinlich dementsprechend eng. Dann kannst Du sehr wohl vorne auch DOSIERT bremsen – da Du kaum Schräglage haben wirst und Du, wenn Du balanciert im Bike stehst, mit der Zeit spüren wirst, wenn Dein Vorderrad anfängt wegzuklappen.

Tipp: Um hier auch bei langsamem Tempo noch Kontrolle und Feingefühl zu haben, hilft es Dir ENORM, wenn Du den Trackstand bereits wirklich beherrschst.

Kurzer Exkurs – Was können wir hierdurch über das Leben lernen?

Interessanterweise kann man auch hier sehr viel vom Mountainbiken über das Leben lernen! Oder besser gesagt: Du kannst Dir von Deiner Herangehensweise beim Bremsen ableiten, was Dich vielleicht auch im Leben davon abhält, Dein vollstes Potenzial auszuschöpfen oder „einfach nur“ glücklich und erfüllt zu leben…!

Wie bei den hier genannten Glaubenssätzen über das Bremsen, lassen sich auch viele Leute von ihren Glaubenssätzen im täglichen Leben „regieren“  – ohne, dass es ihnen bewusst ist. Und sie stagnieren daher nicht nur auf dem Bike, sondern auch in ihrer Karriere, ihrer Persönlichkeitsentwicklung, haben Probleme in ihrer Beziehung, mit ihrem Selbstbewusstsein oder sie stehen sich selbst bei der Findung ihrer wahren Berufung im Weg!

Was damit gemeint ist? Und was sind Glaubenssätze eigentlich?

Glaubenssätze sind mit dem Anspruch unbedingter Geltung vertretene, fast schon religiöse Thesen – wie zum Beispiel „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“. Kurz gefasst sind sie der Ausdruck dessen, was wir über uns, die „Realität“ oder die Welt denken. Sie bestimmen unsere Erwartungen und das, was wir für wahr halten und limitieren (oder fördern) das, was wir erreichen können. Man könnte sie auch als innere Überzeugung und Wahrheiten bezeichnen.

Ein Glaubenssatz ist also der sprachliche Ausdruck von etwas, was jemand für wahr hält – sie steuern den Fokus unserer Aufmerksamkeit und bestimmen damit, welche Informationen wir aufnehmen und wie wir sie interpretieren – aber auch, wie wir uns verhalten!

Denn unser Gehirn will in ALLEM im Leben Muster erkennen – das ist der Job unseres Gehirns. Eigentlich ist es aber so (jetzt kommt ein Satz, den Du eventuell mehrmals lesen musst, bis er WIRKLICH Sinn ergibt):

NICHTS im Leben hat einen Sinn, außer dem Sinn, den wir ihm geben.

Denn unser Gehirn ist bemüht, ein möglichst schlüssiges Modell der Welt zu liefern. Was nicht passt, wird passend gemacht. Dafür füllt das Gehirn nicht nur Lücken auf, es rechnet auch voraus, was in der Zukunft zu erwarten ist – und FILTERT daher stark aus, um seine bisherigen Glaubensmuster zu bestätigen!

Ein Beispiel: Wenn Du den Glaubenssatz hast, „Wenn mich jemand nicht mag, muss das an mir liegen“ – dann wirst Du mit großer Wahrscheinlichkeit bei Kritik oder Ablehnung stark an Dir zweifeln. Wenn Du den Glaubenssatz hast: „Was die anderen über mich sagen, sagt mehr über sie aus, als über mich!“ – dann wirst Du Kritik und Ablehnung wahrscheinlich eher als Aufforderung sehen, um den Menschen, von der die Kritik kommt, zu hinterfragen, anstelle sofort an Dir zu zweifeln.

Ergibt das Sinn?

Zurück zum Bremsen mit dem Mountainbike!

Wenn Du also glaubst – „Ich kann das sowieso, ich muss mich nicht mehr mit den Basics beschäftigen!“ – dann wirst Du das eventuell im täglichen Leben auch manchmal denken – und Dir dadurch viele NEUE, tolle Erfahrungen verweigern – weil Dir eine gewisse Offenheit und Neugierde, mit der jeder Mensch geboren wird, abhandengekommen sind.

FAZIT:

Es gibt keine absolute Wahrheit, und trotzdem bezeichnen wir so viele Dinge als richtig oder falsch, gut oder schlecht… Und dadurch starten wir sehr oft in einen frischen Tag oder in ein neues Erlebnis, haben uns unsere „Meinung“ aber bereits gebildet – und limitieren damit unser eigenes Potenzial!

Lasse Dich nicht von Deinem Ego bremsen (und erst recht nicht in einer Kurve – hihi).

Wir laden Dich heute ein: Hinterfrage Deine Glaubenssätze und entdecke dadurch ganz neue Trails in Deinem bereits bekannten Lebenswald!

Mountainbiken lernen funktioniert mit einem Online Kurs oder bei einem MTB-Event

Literaturverzeichnis und Quellen:

Du hast Dir vorgenommen Deine Fahrtechnik zu verbessern, aber es klappt einfach nicht?

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